Die Hülfsgesellschaft Winterthur wurde am 22. Juni 1812 als privater, gemeinnütziger Verein durch angesehene Bürger der Stadt gegründet. Und so nahm alles seinen Lauf:

1812

Suppe für die verarmte Bevölkerung

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime fehlte es an vielem. Politische Unsicherheiten, Kriegswirren und verbreitete Arbeitslosigkeit führten zu einer Verelendung breiter Teile der Bevölkerung. So verteilte die Hülfsgesellschaft schon in ihrem Gründungsjahr Suppe in Winterthur und in 25 umliegenden Gemeinden.

Nachhaltige Pionierarbeit

Die Mitglieder der Hülfsgesellschaft und ihr Direktorium (der heutige Stiftungsrat) waren und sind bestrebt, Massnahmen zur nachhaltigen Verbesserung mangelhafter Zustände zu treffen. Dies führte immer wieder zu neuen Formen des Beistands und zu eigentlicher Pionierarbeit, teils auf Initiative der Hülfsgesellschaft, teils in Zusammenarbeit mit anderen sozial tätigen Vereinigungen, stets aber zur Unterstützung des Gemeinwesens. Nur die wichtigsten Initiativen seien hier erwähnt.

1818

Günstige Hypotheken für Landwirte und Handwerker


Die Ersparniskasse war 1818 von der Hülfsgesellschaft als erstes bankenähnliches Institut in Winterthur eröffnet worden. Eine Kommission aus fünf Mitgliedern betrieb sie während der ersten 50 Jahre ehrenamtlich. Die Bank war dazu bestimmt, Landwirten und Handwerkern mit möglichst niedrig verzinslichem Kapital beim Aufbau einer sicheren Existenz zu helfen. Viele einfache Bürger vertrauten dem Institut auch ihre Ersparnisse an. Aus dem vorsorglich geäufneten Reservefonds wurden später die Kindergärten finanziert. 1865 wurde die Bank unter dem Namen «Hypothekar- und Ersparniskasse» in die Unabhängigkeit entlassen.

1865

Erster Kinderhort in Winterthur


Um vorschulpflichtige Kinder berufstätiger Eltern zu beaufsichtigen, führte die Hülfsgesellschaft von 1865 bis 1877 eine «Kinderbewahranstalt». Der Kindersaal befand sich im Töchterschulhaus am Kirchplatz. Statt wie angenommen 40 Kinder wurden dort bald einmal deren 115 betreut. Die Eltern entrichteten ein ihren sozialen Verhältnissen angepasstes Schulgeld zwischen 50 Rappen und 5 Franken pro Familie.

1894

Kindergärten

1894 konnte die Hülfsgesellschaft im Tössfeld auf einem von der Firma Rieter zur Verfügung gestellten Areal ihren ersten Kindergarten errichten. Es folgten weitere im Inneren und im Äusseren Lind. Den acht Kindergärtnerinnen waren über 400 Kinder anvertraut. Am ersten Januar 1926 schenkte die Hülfsgesellschaft die drei Kindergärten der Stadt, zusammen mit allem Mobiliar, den Spielsachen, den Vorräten an Kohle und Holz sowie 50’000 Franken aus dem Pensionsfonds. Bis 1962 wurden alle Winterthurer Kindergärten mit einer jährlichen Weihnachtsgabe bedacht.

2000

Altersheime

Im 20. Jahrhundert setzte die Hülfsgesellschaft in der Betreuung der älteren Bevölkerung neue Akzente. Sie kaufte von der Stadt 1913 die Liegenschaft zum Wiesengrund und betreibt seither dort das heutige Seniorenzentrum. Das Wohnheim Sonnenberg mit rund 20 Bewohnerinnen und Bewohnern wird seit 1956 durch die Hülfsgesellschaft betrieben. 2007 erfolgte im Sonnenberg die Neuausrichtung auf ein Zuhause für Menschen mit Demenz.

Nothilfe für Bedürftige


In besonders schweren Zeiten kümmerte sich die Hülfsgesellschaft auch um Menschen in individueller Not. Während der Weltkriege etwa wurde ein Fonds für die Verbilligung von Lebensmitteln unterstützt.

Bekämpfung von Tuberkulose


Ein langjähriges Engagement galt der Tuberkulosekommission, der späteren Lungenliga. Die Hülfsgesellschaft gab Beiträge an Kuren, organisierte Ferienkolonien für gefährdete Kinder, sorgte für die Verbesserung der Wohnverhältnisse und vor allem der Hygiene.

Starthilfe für sozial tätige Institutionen


Mit zunehmendem Ausbau des Sozialstaats veränderten sich die Aufgaben der Hülfsgesellschaft. Ein wichtiges Tätigkeitsfeld wurde die Starthilfe. Viele soziale Organisationen konnten nur dank der Beiträge der Hülfsgesellschaft ihre Arbeit tun. Die Hülfsgesellschaft beteiligte sich an der Gesellschaft zur Erstellung billiger Wohnhäuser. Sie leistete einen Beitrag an die Gründung der Werkschule Grundhof, sie finanzierte das erste Betriebsjahr des Frauenhauses und vieles mehr.

Betriebsbeiträge für gemeinnützige Organisationen

Angesichts der angespannten Finanzlage der öffentlichen Hand gewinnt die Gewährung von Betriebsbeiträgen für gemeinnützige Organisationen immer grössere Bedeutung. Manche verdanken ihre Existenz diesen Beiträgen. Weiterhin werden in Zusammenarbeit mit anerkannten Sozialstellen auch Beiträge an Privatpersonen in aussergewöhnlichen Notlagen geleistet (siehe Gesuche).

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